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Archive for März 2010

Ja aber wo durch denn eigentlich? Durch den 1. Halbmarathon meines Lebens. Ziemlich spontan hab ich, als ich am 26. Februar im Zug von Frankfurt an der Oder nach Lutherstadt Wittenberg saß, mich entschieden den Berliner Halbmarathon mit zu laufen. Eigentlich dacht ich, der wäre erst im Frühsommer und somit wäre genügend Zeit zu trainieren. Kaum war ich Sonntag Abend wieder in Berlin zu Hause und hab meinem Mitbewohner von der fixen Idee erzählt, saßen wir vorm Laptop und schauten nach, wann der ist: 28. März. WAS?! Schon so bald?! Als du lieber Himmel. Nun ja, ich hab mir das in den Kopf gesetzt, und was da erst mal als Idee verankert ist, bleibt auch erst mal mit mir selbst so fest ausgemacht. Punkt. Aus. Amen. Basta!

Gut: den PAPS Test gemacht und schwupps hat mich mein Mitbewohner schon angemeldet. Rund 40€ Anmeldegebühren wurden mir daraufhin von meinem Konto abgebucht und ich zahle ganz sicherlich keine 40€ um dann nicht mitzumachen! Schließlich handelt es sich hier um 80DM, und 80 Mark haben und nicht haben sind 160 Mark – wie meine Mutter mir immer und immer wieder eingetrichtert und -gehämmert hat.

Donnerstag bin ich dann mit dem Radl zum Platz der Luftbrücke geradelt und hab mir die Startunterlagen im ehem. Flughafen Tempelhof bei einer sehr sehr komischen „Vital“ Messe geholt. Das war wirklich ein erhebendes Gefühl, durch diese Hallen zu wandeln, den anderen hinterher, immer weiter und weiter, nicht wissend, wann diese Messe endlich zu Ende ist um ganz ganz hinten die Startunterlagen ausgehändigt zu bekommen. Zugegeben: zurück bin ich mit den Öffentlichen gefahren, nicht mit dem Rad.

Samstag Abend war ich auf ner Geburtstagsfeier und in unserer WG wurde auch ganz kräftig gefeiert, ständig sind Leute ins Zimmer rein und ich hab mich verdammt schwer getan bei dem Lärm (und Polizeiverwarnungen) einzuschlafen. Irgendwann so um kurz vor 2 (vor der Zeitumstellung) bin ich ins Bett, und eine gefühlte Ewigkeit nicht eingeschlafen. Ja genau, diese böse Zeitumtellung hat mir auch eine Stunde sehr wertvollen Schlafen gestohlen!

Sonntag Morgen 9:00 Uhr: Wecker klingelt, Temperatur messen, und noch eine halbe Stunde weiter dösen. Aufstehen, anziehen, gepufftes Amaranth in Orangensaft essen. Raus und mit dem Rad zum Alexanderplatz fahren, die Weste hab ich nur ums Fahrrad gebunden. Dann auf Richtung Lustgarten, wo der Start sein wird. ich bin in Block E, es hat angefangen zu nieseln, schön langsam wirds immer regnerischer und vor allem eiskalt. Und dabei hatte ich nur das dünne T-Shirt mit dem Vattenfall-Halbmarathonlogo drauf und eine sehr kurze Sporthose an. Ich hab so unendlich gefroren! Dabei bin ich mir vorgekommen wie eine Vattenfall-Werbefigur. 10:45 Uhr, der Startschuss fällt. In Demotempo wälzt sich die Menge der Teilnehmer_innen in Block E langsam, ganz langsam und gemütlich nach vorne. Es muss um 11 Uhr gewesen sein, als ich über die Startlinie laufe. In Block E werden alle gesteckt, die nicht angeben können, wie schnell sie laufen, langsamer als 2:00:00 Stunden laufen oder das erste mal mitlaufen. Ich wollte nicht so langsam hinterher trotten und hab deswegen von Anfang an damit kämpfen müssen an den Läufer_innen, die mir im Weg standen drum rum zu laufen, Lücken zu suchen, und in schmalen Lücken mich seitlich durchzuschlängeln.

Nach dem Friedensengel brach irgendwann die Sonne durch, und der Kälte wich der viel zu heißen Märzsonne, die auf meinem Kopf brannte. Für die ersten 3km brauchte ich gut 25 Minuten. Ein wirklich vernichtendes Ergebnis, zudem ich eigentlich das Ziel hatte, beim nächsten Halbmarathon einen Block besser starten zu dürfen und mich dort dann ganz vorne einzuordnen. Während dem Laufen konzentrierte ich mich vor allem anfangs vornehmlich darauf, um die Leute rumzulaufen, erst ab der Hälfte besserte sich die Situation leicht und ich konnte über viele Dinge nachdenken. Zum Beispiel über den Zusammenhang von Wettbewerben in verschiedenen Lebensbereichen: genauer, dem Sport und der Politik. Über diesen Gedanken bin ich dann irgendwann auf Joschka Fischen, den marathonlaufenden Außenminister aD gekommen und habe mich gefragt, ob der auch im sportlichen Wettkampf während seiner Ministerzeit immer von Bodyguards umgeben war.

Ab km 7 fingen meine Unterschenkel an leicht zu Schmerzen. Dieser Schmerz nahm immer mehr zu und zog sich am km 13 in die Oberschenkel rauf. Dennoch bin ich weitergelaufen und versuchte mir diesen Schmerz als Genuss zu verkaufen. Das funktionierte aber nicht so wirklich, und daran änderte auch das Schild, dass Zuschauer_innen am Straßenrand hochhielten „Der Schmerz geht, der Stolz bleibt“ nichts. Ich bin die kompletten 21,0975 km durchgelaufen, mit Ausnahme der 4 Erfrischungsstände bei denen Wasser und Tee gereicht wurde – laufen und aus lapprigen Plastikbechern trinken geht nunmal schlecht, da bin ich dann paar Meter gegangen, bis der Becher leer war – und er ganz unöko mit den restlichen Bechern auf der Straße landete.

Quälend wurde der Halbmarathon so ab dem 17. / 18. Kilometer, und es zog sich eine gefühlte Ewigkeit hin, bis km 19 und dann vor allem km 20 erschienen. Ich dachte beim 20. km Schild „Super! Nur noch paar wenige hundert Meter und ich bin im Ziel“ – nur: das Ziel wurde und wurde nicht sichtbar. Die Strecke verschmälerte sich, insofern liefen die Leute wieder etwas gedrängter und ich musste meinen Drang, immer schneller und schneller zu laufen, versuchen zu unterdrücken, was nur so halbwegs funktionierte. Die letzten Minuten dachte ich an nichts anderes als endlich mal in dieses verdammte Ziel zu kommen – ich sah einen Mann am Rand der Strecke liegen umringt von Sanitäter_innen – ich vermute, dass es sich um den einen Todesfall des Halbmarathons handelt. Den 43 jährigen Mann, der 500 Meter vorm Ziel starb. Und da dachte: bitte meine verflixten Beine, haltet diesen Mist durch, auch wenns verdammt weh tut! Den Unterkiefer breit nach vorne geschoben und mit rasselnder Atmung, riss ich mich für die letzten Meter zusammen.

Endlich die Zielline! Geschafft!? Von wegen! Plötzlich kommt man kaum mehr voran, die Läufer_innen bewegen sich wieder so langsam wie am Start, Volunteers rufen, man sollte sich zügig nach vorne bewegen, da immer neue Leute nachkämen. Ein paar wenige Leute hingen einem die Medaille um den Hals, dann kam endlich der Stand mit Tee und Wasser und Bananen. Ich trank so gierig, dass mir der Tee links und rechts die Mundwinkel runter ronn. Im Pulk wurde ich weitergeschoben. Da wurde alkoholfreies Erdinger Freibier ausgegeben, schnell einen Becher geschnappt und weitergehts. Eigentlich hatte ich mit Mirjam und dem schönen Max ausgemacht, dass sie mich beim Ziel abholen – nur wie sollten die mich bei 26000 Läufer_innen und noch mehr wartenden Menschen jemals finden und ich sie?

Ich beschloss also mir das Rad zu schnappen, mir die Weste anzuziehen und mit der Tram nach Hause zu fahren, um mir erst mal warme, trockene Klamotten anzuziehen und dann Mirjam anzurufen. Nur: es ging niemand an diese verdammte Klingel, auch die Nachbarn nicht und ich hatte weder Geld noch Nummern dabei… Ich musste recht dringend aufs Klo, also ging ich in das rutikal und spießig eingerichtete „Zur Haxe“, in dem lauter ältere Frau- und Herrschaften saßen und ging dort auf die Toilette. Super, was mach ich ohne Schlüssel und gar nichts jetzt? Ich radelte zu Stephan, der grade am Sprung war und blieb bei ihm bis er wieder kam, ich Mirjam anrufen konnte und letztendlich 3 Stunden nach Zieleinlauf wieder an mein Studiticket, Schlüssel, Geld, Adressbuch usw. kam. Psychisch war dieses ganze Chaos nach dem Lauf so unendlich viel belastender als der Lauf selbst. Jetzt schmerzen meine Beine von den Lendenwirbeln abwärts bei jeder Bewegung und der geringsten Belastung so sehr, dass ich jedes mal aufschreien könnte. Mal guggen, wie lange das noch anhält!

Nun: mit einer Netto Zeit von 1:52:09 Stunden kann ich mich mit dem bisschen Training wohl durchaus zufrieden geben, das nächste mal wird in einem besseren Block gestartet! Und ein nächstes Mal gibt es sicher – den Chip hab ich auch gleich behalten (dafür wird mir noch einmal ein Haufen Geld vom Konto abgebucht) und die Anmeldung zum Berliner Frauenlauf (10km) am 8. Mai ist auch schon gemacht 😀

Ziel ist und bleibt: Berliner Marathon Ende September! Auch wenn mir danach die Beine abfallen mögen.

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Mal ganz dumm gefragt: Sind Prominente Männer eigentlich komplett aggressionslos, leben ohne Gewaltausübung und ist es für sie ausgeschlossen eine Frau zu vergewaltigen?

Dieser ganze Rummel um Kachelmann, der von seiner Freundin angezeigt wurde, er soll sie im Februar nach einem Streit vergewaltigt haben… Und von allen Seiten hagelt es nun Kritik an der Berichterstattung, die sachlich die chronologischen Fakten darstellt. Na klar: Kachelmann, dieser süße, unterhaltsame Spatzerl des öffentlich-rechtlichen Fernsehns und Liebling aller Schwiegermütter wird ja wohl kaum fähig sein seine Freundin zu vergewaltigen! Außerdem: in welchen Milieus können denn überhaupt Männer ihre Freundinnen und Ehefrauen vergewaltigen? Na klar: Nur frustrierte, unterbeschäftigte, aggressionsgeladene Hartz IV Empfänger! – Zumindest machen mir die Vergewaltigungsdementierer(_innen) den Eindruck so zu denken!

Also wenn man sich mal die Zahlen anguggt ( http://de.wikipedia.org/wiki/Vergewaltigung#H.C3.A4ufigkeit_und_Ablauf_von_Vergewaltigungen ), dann wird mindestens jede 6. Frau in Deutschland, in den USA sogar bis zu jeder 4. Frau, einmal in ihrem Leben vergewaltigt. Das heißt: wenn ich sechs meiner Freundinnen nehme: Miri, Kathi, Mary, Lisa, Franzi und Verena, dann müsste statistisch gesehen mindestens eine bereits einmal vergewaltigt worden sein – bzw. wird im Laufe ihres Lebens noch vergewaltigt. Die Wahrscheinlichkeit, dass aber sexuelle Übergriffe nicht von Prominenten getätigt werden ist aber extrem gering. Wieso also schützen diese Typen den Kachelmann? Denn: wenn ich mir die ganzen Typen angugg, die in der Tram neben mir sitzen, dann sind des öfteren auch sicher Vergewaltiger dabei. Anmerken tu ich das denen aber nicht! Männer die andere Menschen vergewaltigen gibt es in jeder Bevölkerungsschicht, in jeder Altersstufe, in jedem Bildungsgrad, in jeder politischen Couleur: Links genauso wie rechts!

Denn wenn statistisch gesehen eine meiner eben wahllos aufgezählten Freundinnen irgendwann mal eine Vergewaltigung erlebt(e), dann müssen logischerweiße auch genug prominente Frauen solche Erfahrungen gemacht haben. Und da einem Luft nicht vergewaltigt, sondern es immer Täter braucht, die üblicherweise eben männlich sind, dann verstehe ich echt nicht, wenn Männer nicht akzeptieren, wenn ein Promikollege wegen Vergewaltigung angezeigt wird! Ronald Polanski http://de.wikipedia.org/wiki/Roman_Polański#Anklage_wegen_Vergewaltigung_und_Flucht_nach_Europa wird ja schließlich wohl kaum der einzige Übeltäter sein!

Stellen wir uns doch einmal eine Welt vor, in denen unsere angehimmelten Lieblingsschauspieler, -nachrichtensprecher und -musiker, -politiker, etc der Vergewaltigung angezeigt und überführt werden. Wie wärs denn zum Beispiel mit den Herren Depp, Schweiger, Rieu, Silbereisen, Wickert, Ötzi, Kahn, Beckenbauer, Guttenberg… (das hier ist keine Unterstellung, sondern lediglich eine wahllose(sic!) Aufzählung berühmter Herrn!)

Und jetzt überlegen wir uns, was die klügere Reaktion wäre: es weiterhin dementieren oder dafür gerade stehen und Konsequenzen ziehen?!

Könnte es sein, dass viel mehr Promis in Sachen sexueller Missbrauch Dreck am Stecken haben, als wir uns vorstellen können? Und dass deswegen so viele versuchen hier eine Vergewaltigung solidarisch auszuschließen? Sozusagen eine Männerbündische Solidarität à la „kann ja jedem mal passieren, also nicht hochkochen, nicht zugeben, und so weitermachen wie bisher!“…

Eigentlich müssten viel mehr prominente Frauen, die vergewaltigt wurden, wie vor fast 40 Jahren und den Satz „Ich habe abgetrieben“ durch das Tabuthema „Ich wurde vergewaltigt“ ersetzen, um Frauen den Mut zu geben Anzeige zu erstatten! Vor paar Jahren war ich ernsthaft noch dafür Vergewaltiger umzubringen, das hat sich gewandelt über den Wunsch sie zumindest Kastriert zu wissen, zu der Forderung einer längeren Verjährungsfrist und der Möglichkeit Vergewaltiger lebenslänglich ins Gefängnis zu schicken. Vor drei Jahren haben wir mal im Deutsch oder Französisch Unterricht über das Thema gesprochen und ein Klassenkamerad hatte tatsächlich ernsthaft eine Kastration gefordert, das hat mich von seiner Seite aus durchaus beeindruckt.

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Für meine feindliche Einstellung Männern gegenüber bin ich euch ja bekannt! Dafür die Kirche sehr kritisch zu sehen auch.

Ich glaube mit Irland fing der ganze Skandal an: einen riesen fetten Skandal inszenieren die Medien aus Vorkommnissen, von denen wirklich jede_r wusste und es dennoch geflissentlich verdrängte und darüber hinweg sah: in der Kirche tummeln sich Männer, die sich zwar dem zölibatären Leben verschrieben haben, aber sich nicht daran halten. Dass Priester sich Liebhaberinnen halten und mit denen Kindern haben wird von der Kirche ja sogar toleriert und die Kinder mitfinanziert – vor Jahren gab es mal ein Buch, in denen die Kinder davon berichten, dass sie lange nicht wussten, dass der Herr Pfarrer ihr Vater ist und wie sie es dann erfuhren. Unter das Hand findet das in der Bevölkerung breite Akzeptanz, wenn der Pfarrer mit seiner Haushälterin/ Köchin zusammenlebt. Schwieriger wird es, wenn öffentlich wird, dass Kirchenmänner sich einen anderen Freund zum Mann halten – schließlich ist die kath. Kirche offiziell gegen Homosexualität, da hier ja keine Kinder in die Welt gesetzt werden können. Achja die Kinder: um die gehts ja grade eigentlich! Wie gesagt: die Medien berichtet zu allererst über die Fälle von Kindesmissbrauch in Irland – inzwischen auch über die in Deutschland. Und damit sind sie wohl so beschäftigt, dass es kaum Berichterstattung gibt wie es denn mit Missbrauchsfällen in anderen Ländern aussiehst! Man liest – es gäbe ähnliche Vorfälle neben Irland in Frankreich, England, Australien und USA. Aber was ist mit Italien? Polen? Spanien? den Skandinavischen Ländern? Afrikanischen, Lateinamerikanischen und Asiatischen Staaten? Was ist mit den christlich-röm.-kath. Gemeinden im Nahen, Mittleren und Fernen Osten?

Medienberichten geben mir sehr oft den Eindruck, dass nicht sauber, klar und deutlich zwischen Pädophilen Personen und Personen die Kinder sexuell Missbrauchen unterschieden wird. Denn beides bedingt sich ausdrücklich nicht gegenseitig! Eine erwachsene Person, die ein Kind sexuell missbraucht ist noch lange nicht pädophil, sondern für diese Person sind Kinder schlicht Opfer, über die sie Macht ausüben kann und Kinder lassen sich sehr leicht mit Druck zum schweigen bringen! Diese Person fühlt sich in der Regel trotzdem hauptsächlich von erwachsenen, ausgewachsenen Personen sexuell angesprochen. Was anderes ist es mit Pädophilen Personen: diese fühlen sich in erster Linie von Kindern – und schon viel weniger, eigentlich gar nicht von heranwachsenden=pupertierenden Jugendlichen – sexuell angezogen. Diese sexuelle Erregung hat aber nicht zwingend etwas mit dem Machtaspekt über diese Kinder zu tun und führt nicht zwangsläufig dazu, dass es seitens Pädophilen grundsätzlich zu sexuellen Übergriffen auf Kinder kommt. Da es in der Kirchendebatte sehr schwer ist heraus zu bekommen, ob die Täter tatsächlich pädophil sind, „nur“ weil sie sich an Kindern vergriffen haben, würde ich mir wünschen, dass der Begriff der Pädophilie möglichst aus der Debatte herausgehalten wird!

Der Regensburger Bischof Müller hat sich wirklich übermäßig viel Zeit gegönnt, bevor er gezwungenermaßen nicht mehr anders konnte als zugeben, dass auch bei den Domspatzen Buben missbraucht wurden – wenn ich daran denke, dass es bei meinem Bruder die Diskussion gab, dass er nach der vierten Klasse vielleicht zu den Domspatzen hätte gehen sollen – wurde ihm wenn ich mich richtig erinnere von irgendwem in der Schule empfohlen, und ich diese Idee eigentlich ganz gut fand (endlich keinen nervigen Streitereien mehr!!!), wird mir heute ganz schlecht. Mein Vater erzählte mal, dass bei Leuten, bei denen er gearbeitet hat der Sohn zu den Domspatzen gegangen ist und der meinte, er würde es auf alle Fälle wieder tun. Bei Bekannten, mit denen meine Eltern, als ich noch in die Grundschule ging öfters mal Kontakt hatten, ging der Sohn ein paar Jahre zu den Domspatzen – brach dann aber, wenn ich richtig informiert bin irgendwann ab. Warum weis ich nicht. Und dann muss ich daran denken, dass der Miltacher Pfarrer, bei dem ich Kommunion hatte – und bei dem nur Jungs Ministranten werden durften (sic!) – irgendwann die Gemeinde wechselte. Eigentlich war der Pfarrer im Ort nicht wirklich beliebt: eine strenge Person, ich hab vor und während den Religionsstunden regelrecht gezittert vor Angst, und dennoch sammelten die Miltacher_innen Unterschriften, dass er doch bitte bleiben solle, damit sie ihren eigenen Pfarrer behalten können. Wieso wechselte der Pfarrer den Ort? Ich hab den Grund vergessen, war es weil es ihm in Miltach nicht gefiel? Gab es Gründe, die vielleicht nicht einmal den Kirchengemeinderatsmitgliedern bekannt waren? Ich erinnere mich noch recht gut an die Erzählung dieses Pfarrers, als er einmal im Religionsunterricht in der 3. Klasse erzählte, was er gutes geleistet hätte, als er einem jungen Mädchen, dass ganz schwarz gekleidet war, weil die Lieblingsfarbe der Mutter schwarz war, eine bunte Strumpfhose geschenkt hätte und sich dieses sehr gefreut hätte. In den letzten Jahren habe ich immer wieder und wieder an diese Annektote denken müssen.

Eben dieser Pfarrer, ich glaub er hieß Konrad Friedrich, ist wegen seiner Strenge auch Mitschuld an meiner sehr schrägen sexuellen Sozialisation: der hat mir so extrem viel Angst vor dem 6. Gebot, das wir vereinfacht mit „Schamhaftigkeit und Keuschheit“ eingebläut bekamen, dass ich mich innerlich immer noch nicht vollständig davon lösen konnte! Die Kirche prägt Leben, und zumeist ins negative – Janosch würde wohl sogar das „zumeist“ wegstreichen und durch ein „grundsätzlich“ ersetzen!

Wieso darf eine Religion, die dazu führt, das so viele Leuten danach „nen Batscher“ haben, wie man auf gut bayerisch sagt (hochdeutsch würd ichs mit „Riss in der Birne“ übersetzen), weiterhin in der Schule ohne jegliche kritische Reflexion gelehrt werden?! Kein Wunder, dass so viele Leute trotz aller Ehebrechen konservativ wählen.

Naja aber jetzt wird sicherlich alles besser: die Kirchenmänner entschuldigen sich vielmals für ihre vergehen und einige sehr sehr wenige, die diese lange zeitliche Distanz noch nicht in den Ruhestand versetzt hat, bieten sogar ihren Rücktritt an und die Hoffnung aller Feminist_innen, die neue Familien- und Frauenministerin Köhler *ähhh pardon!* Schröder, lädt jetzt zu einem Runden Tisch ein, an dem sich die Deutsche Bischofskonferenz einbringen wird. Das wendet natürlich alles zum guten!

Unterm Strich bringen alle Entschuldigungen den Opfern nichts mehr, und mir ist es wirklich unverständlich, wie sexueller Missbrauch überhaupt eine Verjährungsfrist haben kann!!! Und Anbetracht der Konsequenz der evangelischen Bischöfin Käsmann, die nach ihrem erhöhten Alkoholpegel sehr fix zurückgetreten ist, sind die ANGEBOTE zum Rücktritt der katholischen Sexualtäter mehr als nur eine ironische Farce! Die Wahrung des rechten Maßes sieht zumindest für mich um einiges anders aus! Was wird aus dem Runden Tisch werden? Nun: früher oder später werden die Medien durch dieses Thema nicht mehr genug Interesse wecken können und wenden sich wieder anderen Themen zu, dann wird dieser Runde Tisch eine halbrunde Konsequenzen ziehen, die höchstens noch in den Kurzmeldungen und Randnachrichten auf eine der hinteren, wenig gelesenen Seiten machen.

Für mich bleiben viele weitere Fragen ungeklärt: Wieso sind diese Missbrauchsfälle gerade in er römisch-katholischen Kirche so gehäuft? Gibts das bei den Protestant_innen auch? Und würde die Aufhebung des Zölibats nach gut eineinhalbtausend Jahren daran was ändern? Wieso wird in dieser Debatte keinerlei Bezug genommen auf frühere Vorkommnisse in der katholischen Kirche? Ist ja nicht gerade so, dass nicht schon vor Jahrzehnten es Skandale um den miserablen Umgang von Klosterschwestern mit denen in ihre Obhut gegebenen Heimkindern gegeben hätte?! Wieso prangert niemand diese dreisten Lügereien an? Es glaubt doch sowieso niemand, dass Papst Ratzinger und sein hochwohlgebohrener Bruder Georg nichts, aber auch rein gar nichts von irgendwelchen Missbräuchen bei den Domspatzen gewusst haben wollen?! Sind sie selbst Täter? Aber genießen auf Grund ihrer hohen Stellung Immunität?

Oh dass wär doch was, wenn der Papst höchstpersönlich Kinder missbraucht hätte! Ein Freibrief für sämtliche kleinen Pfaffen und Bischöfe…

Strafrechtlich wäre es ja schon ein großer Schritt alle Täter, auch über die Verjährungsfrist hinaus, ins Gefängnis zu stecken. Dennoch: Meine persönliche Präferenz wäre ja, eine freiwillige Selbstverpflichtung sämtlicher Priesteramtsanwärter zur Kastration und dem Herausoperieren der für sexuelle Lustempfindung zuständige Hirnregion(n)! Denn ohne solchen Maßnahmen wird es die Kirche niemals schaffen ihren eigenen sexualmoralischen Ansprüchen gerecht zu werden…

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